Justiz-Marathon

Warum sich VW nicht vergleichen wird

Warum sich VW im Musterfeststellungsverfahren nicht vergleichen wird

430.000 VW-Geschädigte kämpfen ab dem 30.9.2019 vor dem Oberlandesgericht Braunschweig um ihr gutes Recht. Doch obwohl der Vorstandsvorsitzende von VW öffentlich in einer Talkshow gestand, dass VW seine Kunden betrogen hat, wird VW kein faires Vergleichsangebot unterbreiten. Im Gegenteil: VW verdient kräftig Geld, je länger der Prozess dauert.

Normalerweise sind Unternehmer wie Verbraucher gleichermaßen froh, wenn ein Rechtsstreit so schnell wie möglich beigelegt wird und wieder Friede einkehrt. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Bis zu 1,2 Mio. Euro täglich spart VW an Schadensersatzleistungen ein, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Berechnungen der ROLAND ProzessFinanz AG.

Der Grund dafür ist denkbar einfach: Die Fahrzeugbesitzer müssen sich für die Zeit der Nutzung des Autos ein Entgelt anrechnen lassen. Das mindert den Wert des Fahrzeugs. Und je länger der Prozess läuft, umso mehr Nutzungsentschädigung kann VW gegenrechnen, so dass der Wert der Autos dahinschmilzt wie der Gletscher in der warmen Sommersonne.

Eigentlich müsste VW 10 Milliarden Euro zahlen

Wie aus dem nachfolgenden Rechenbeispiel hervorgeht, spart VW auf diese Art und Weise 2,35 Mrd. Euro ein. Die Berechnungen beruhen auf der Annahme, dass die beanstandeten Fahrzeuge im Durchschnitt 25.000 Euro kosteten, bei Prozessende etwa zehn Jahre alt sein werden und pro Jahr etwa 15.000 Kilometer fuhren. Als Gesamtlaufleistung werden 350.000 Kilometer zugrunde gelegt. Gäbe es keinen Nutzungsersatz, müsste VW die Wagen der rund 430.000 Kläger zurücknehmen und über 10 Mrd. Euro an die geprellten Kunden zahlen.

Bild: Pixabay (Photomat)

Dank Nutzungsersatz sinkt dieser Betrag Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr, solange der Prozess läuft. Und VW hat natürlich die besten Anwälte beauftragt, die genau wissen, wie man einen Prozess wie einen Kaugummi in die Länge zieht. Das ist frustrierend und zeigt einmal mehr: Die Musterfeststellungsklage ist gesetzgeberischer Murks!

Die VW-Anwälte versuchen gerade, mittels Gutachten von Freshfields und Deloitte nachzuweisen, dass den Kunden gar kein Schaden entstanden sei. Es wird suggeriert, die Diesel-Gebrauchtwagen seien gar nicht im Wert gesunken, nachdem der Skandal 2015 aufgedeckt wurde. Die Gebrauchtwagenpreise seien erst in den Keller gerauscht, als die Presse vermehrt über das Musterfeststellungsverfahren berichtet habe. Von derartigen Nebelkerzen dürfte VW noch einige werfen, um das Verfahren weiter in die Länge zu ziehen. Hatte nicht der Vorstandsvorsitzende selbst von Betrug am Kunden gesprochen?

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